Aliens: Colonial Marines
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- Publisher: Sega
- Entwickler: Gearbox Software
- Genre: Ego-Shooter
- Release: 12.02.2013
Lieblose Klischee-Umsetzung
12.02.2013 |
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Autor: André
„Manchmal bauen wir Scheiße, aber manchmal sind wir großartig. In jedem Falle gehen wir immer Projekte an, die das Potenzial haben großartig zu sein. Ich denke deswegen regt es die Leute so auf, wenn wir mal wieder Mist produzieren, weil die Idee so toll klang“, schrieb Randy Pitchford, der Chef von Gearbox, am 21. November 2008. Mit „Aliens: Colonial Marines“ ist wieder Aufregen angesagt.
Pitchfords Kommentar war eine Reaktion auf Meldungen, sein Studio habe die Arbeiten an „Colonial Marines“ aufgegeben. Ein Projekt, das seit über einem Jahrzehnt durch die Spielepresse geistert. Im Jahr 2001 war zum ersten Mal die Rede davon. Damals sollte das Studio Check Six Games („Spyro: Enter the Dragonfly“) den „authentischen Aliens-Shooter“ für Playstation 2 entwickeln. Mehr als erste Screenshots des Spiels, dessen Geschichte zwischen „Aliens: Die Rückkehr“ und „Alien 3“angesiedelt sein sollte, bekam die Welt nie zu sehen. Wenige Monate nach der Ankündigung zogen Publisher Electronic Arts und Fox Interactive klammheimlich den Stecker.
Ende 2006 jedoch, tauchte das Spiel plötzlich wieder aus der Versenkung auf. Gearbox und Sega gaben bekannt, man habe die „Alien“-Lizenz im Sack und werde nun das Projekt komplett neu aufrollen. Zumindest die Geschichte des Spiels muss aber jemandem wahnsinnig gut gefallen haben. Denn die Prämisse blieb gleich: Nach der Flucht der wenigen Überlebenden aus „Aliens“ von der Kolonie LV426 stößt ein Rettungstrupp der Marines auf das im All treibende Raumschiff Sulaco.
Explosionen, wie aus 'Duke Nukem 3D': Die Grafik des Spiels schwankt zwischen 'atmosphärisch' und 'altbacken'.
Nachdem jedoch drei komplette Teams der Rettungsmannschaft an Bord des Schiffs verschwinden tut deren Oberkommando, was jeder tun würde: Sie schicken einen vierten, einzelnen Trupp hinterher. Der stößt auf ein völlig von Aliens überranntes Raumschiff, was unter Alien-Kennern für lustige Rechenexperimente sorgen dürfte: Wenn pro Alien, das wir abknallen, zuvor ein Soldat als Wirtskörper eingefangen wurde, wie viele Hundert Mann haben unsere Vorgesetzten dann verheizt, bevor sie uns auf diese Selbstmordmission geschickt haben?
Bevor man die ersten Büschel Haare in den Händen hält, fängt „Colonial Marines“ aber ganz gut an. Gleich in den ersten Spielminuten dringt man tief in ein glitschiges Alien-Nest vor und erfreut sich trotz einer Grafik auf leicht besserem „Doom 3“-Niveau an atmosphärisch schön gemachten Licht- und Nebeleffekten, sowie insbesondere den Original-Soundeffekten der Filme. Sogar die Geschichte wirkt hier noch nicht völlig bescheuert, sofern man auf die sehr dürftige deutsche Synchronisation mit ihrer hölzernen Übersetzung verzichtet.
Der Bewegungsmelder piept, man befreit einen in die Wand eingesponnenen Marine aus seiner misslichen Lage und erschreckt sich vielleicht sogar ein wenig, wenn das erste Alien hervor springt.
Doch von da an geht es sehr schnell ganz tief bergab. Anstatt „Aliens“ als Horror-Action zu behandeln, vergeht sich Gearbox an dem Klassiker, als hätte man DJ Ötzi einen Opernball anvertraut. In endlosen Wellen schmeißt uns das Spiel Kreaturen ins Gesicht, die eigentlich selten und in Schatten verhüllt ihren Auftritt haben sollten. Schon 2011 stellten wir uns die Frage, ob „Aliens“ überhaupt zum Shooter taugt. Gearbox findet darauf eine mehr als eindeutige Antwort: Nicht wirklich.
Vielmehr erweist sich „Colonial Marines“ als eine Art milde Konfrontationstherapie. Nachdem man neun Stunden lang immer wieder mit den Biestern auf Tuchfühlung gegangen ist, taugt nur noch ein genauerer Blick auf ihre Animationen zum Erschrecken.
Neben dem Spieler hat auch die Künstliche Intelligenz mit den Aliens zu kämpfen. Nicht nur können diese oft einfach nicht der Versuchung widerstehen auf irgendeine Wand zu springen, sie können außerdem nicht ahnen, dass unsere Kameraden im Einzelspieler-Modus praktisch unsterblich sind. Also mühen sie sich an den Computerkameraden ab, während wir aus ein paar Schritten Entfernung abräumen. Der Eindruck drängt sich auf, dass hier eine auf den Vier-Spieler-Koop-Modus optimierte KI auch im Singleplayer zum Einsatz kommt.
Der Verdacht liegt insbesondere deswegen nahe, da der Koop-Modus seinerseits praktisch keinerlei Anpassung erfahren hat. Ohne Rücksicht auf Sinnhaftigkeit sind plötzlich zwischen zwei und vier Personen unterwegs. Auch in einer Szene, in der man eigentlich einsam und verlassen aus den Fängen der Aliens entkommen muss, stehen plötzlich eben noch drei Kameraden herum. Selbst die Anzahl der auftretenden Gegner scheint nicht erheblich anzuwachsen., weshalb man zu viert viel zu leicht voran kommt. Der ohnehin armselige Endkampf des Spiels, wird schon ab zwei Teilnehmern endgültig zur Lachnummer. Falls die erheblichen Lags, die bei unserem Test sogar mit nur zwei Spielern auftraten, auch in der fertigen Verkaufsversion nicht besser geworden sind, braucht sich über solche Kleinigkeiten aber ohnehin keiner aufzuregen.
Die Aufregung, kocht gerade für Fans vermutlich eher beim Blick auf die Geschichte hoch. Im Kern hat sich Gearbox entschieden, den Spieler eine 08/15-Militärshooter-Story durchlaufen lassen, mit Aliens in der Rolle der Terroristen. Eine Bande blasser Charaktere tanz darin nach der Pfeife ihrer Vorgesetzten durch verschiedene Kulissen des zweiten Alien-Films. Menschliche Geschichten um den Überlebenskampf im Angesicht eines schier unaufhaltsamen Monsters wurden durch soldatische Parolen ersetzt. Der einzige Versuch, einen emotionalen Moment zu inszenieren, scheitert kläglich.



