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Und was kann dein Gott?

22.11.2002 | PC | Autor: David

Die Götter müssen verrückt sein. Zumindest drängt sich diese These beim Anblick von Ensemble Studios’ neuem Echtzeitstrategie-Epos „Age of Mythology“ auf, leben die Übermenschlichen dort doch ihre zerstörerischen Hobbys wie Blitzeschleudern oder Meteoriten-Weitwurf ohne Rücksicht auf Verluste aus. Ohne passende Opfer wäre das Ganze natürlich nur halb so spaßig. So müssen drei antike Völker als Zielscheibe der göttlichen Schandtaten herhalten - viel weniger als in den beiden Vorgängern. Dafür spielen sich die verschiedenen Parteien angenehm abwechslungsreich und unterscheiden sich in einigen Punkten grundlegend. Neben den Griechen buhlen die streitsüchtigen Wikinger und die Baukünstler aus Ägypten um die Gunst von Zeus und Konsorten. Letztere kommt neuerdings auch als Ressource vor: während die Ägypter durch Bauten zu begeistern wissen, müssen die Nordmänner gegnerisches Blut vergießen. Die Griechen schließlich beten am Tempel, um an das wertvolle Gut zu gelangen.

Monotheismus war gestern
Mit den gesammelten Gunstpunkten lassen sich diverse Upgrades erforschen, die der Armee beispielsweise mehr Lebensenergie spendieren. Je nach Bedarf unterstützen Sagenhelden wie Odysseus gegen einen kleinen Obolus die eigene Seite. Spannender sind aber die Mythenwesen, die gegen stattliche Gunstgebühr zur Armee stoßen. Die Palette reicht von kampfstarken Minotauren über majestätische Pegasi bis zu riesigen, B-Movie artigen Käfern.

Sagenhaft stark
Mythenwesen sorgen nicht nur für optische Abwechslung innerhalb der Armee, sondern räumen auch besonders gut unter großen Gegnermassen auf.

Welche Bestien die eigene Armee unterstützen hängt dabei nicht nur von der Volkswahl, sondern auch von den gewählten Göttern ab. Beim Spielstart wird zwischen drei Allmächtigen entschieden. Nach einem der maximal drei Epochensprüngen darf dann zwischen zwei weiteren Unterkandidaten gewählt werden. Jede dieser Wahlen bringt die Zivilisation nicht nur ein Zeitalter weiter, sondern spendiert auch eine einmalig einsetzbare Gotteskraft. Das Sortiment umfasst Offensivwunder wie einen spektakulären Meteoritenhagel, als auch defensivere Varianten wie eine unterstützende Bronzerüstung oder einen unterirdischen Gang in die feindliche Basis. Gänzlich neu erfinden die Ensemble Studios das RTS-Rad aber nicht. Liebgewonnene Tugenden aus den erfolgreichen Vorgängern wurden in „AOM“ beibehalten.

Dazu gehört das ausgeklügelte Ressourcensystem, das neben der bereits erwähnten Gunst Holz, Nahrung und Gold umfasst. Alle drei Rohstoffe landen bei den Griechen in Lagerstätten, während die Wikinger für diesen Zweck Ochsenkarren in Anspruch nehmen. Mit den angehäuften Schätzen werden Produktionsstätten erbaut, in denen herkömmliche Nah- und Fernkämpfer, Schiffe oder Belagerungswaffen produziert werden. Die zahlreichen Truppentypen sollten stets gut gemischt werden, da Einheiten im Sinne des Stein-Schere-Papier-Prinzips immer besonders stark gegen einen anderen Typ, gleichzeitig aber sehr anfällig gegen einen Dritten sind. So werden Fernkämpfer mit Infanterie leicht fertig, bekommen mit Kavallerie allerdings Probleme. Gut, dass die Steuerung gewohnt leicht von der Hand und die Übersicht nur schwer verloren geht.

Absolut filmreif
Die häufig eingestreuten Zwischensequenzen in der Spielgrafik sind stets sehenswert und sorgen für dichte Atmosphäre.

Göttliches im Internet
Besonders gelungen ist Ensemble die Kampagne, auf die ein filmreifes Schlachtintro einstimmt. Insgesamt 35 Missionen fesseln durchgehend an den Bildschirm. Aufgelockert durch zahlreiche Zwischensequenzen in der Spielgrafik müssen sowohl Basen erbaut, als auch Einsätze mit einer handvoll Truppen bestanden werden. Ähnlich spannend geht es in Gefechten mit bis zu zwölf Teilnehmern im LAN oder Internet zu. Die drei Völker sind dank eines ausgiebigen Public-Beta-Tests sehr gut ausbalanciert und garantieren spannende Duelle à la „WarCraft III“. Wer sich online mit anderen Spielern messen möchte, wird sich über das ausgeklügelte System ESO freuen, das sich vom Funktionsumfang her locker mit Blizzards Battle.Net messen kann. Alle wichtigen, aber auch viele unwichtige Informationen werden dort gespeichert und abrufbar gemacht. Sollten einmal die Multiplayerkarten ausgehen, liegt dem Spiel ein umfangreicher Editor bei. Auf der technischen Seite hat sich gegenüber den Vorgängern ebenfalls einiges getan. Die sprichwörtlich augenscheinlichste Neuerung ist die frei dreh- und zoombare 3D-Grafik, die sich vor besagter Konkurrenz aus dem Hause Blizzard nicht verstecken braucht. Während letztere geradezu quietschbunt daherkommt, geht es in „AOM“ weniger farbenfroh zur Sache. Imposant in Szene gesetzt sind die göttlichen Wunder, die klar das grafische Highlight des Spiels bilden. Nicht ganz so toll sind Geräuschkulisse und Musikuntermalung ausgefallen. Gerade letztere stört im Laufe der Zeit immens. Dennoch bleibt das Gesamtbild wie erwartet: mit „Age of Mythology“ findet Ensembles Aushängeschild einen überaus würdigen Nachfolger.

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