- Age of Empires III: The Age of Discov..
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- Publisher: Microsoft
- Entwickler: Ensemble Studios
- Genre: Echtzeitstrategie
- Release: 04.11.2005
Opa hat’s immer noch drauf
31.10.2005 |
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Autor: Heiko
Wenn man ein Spiel wie „Age of Empires 3“ macht, muss man jede Menge Druck aushalten. Die Fans wollen das Spiel – am besten sofort, mit vielen neuen Ideen und Prachtgrafik und natürlich ohne dass dabei das Flair der Vorgänger auf der Strecke bleibt. Die Entwickler von Ensemble Studios haben im Vorfeld fast alles richtig gemacht: Lange Jahre drang kein Mucks aus den heiligen Hallen. Eine Hand voll schicker Screenshots genügte dann Anfang des Jahres, das Spiel in allen Most-Wanted-Listen nach ganz vorne zu katapultieren und Fans sowie Nicht-Fans heiß zu machen auf das wahrscheinlich schönste Echtzeitstrategiespiel bisher. Nun ist „Age of Empires 3“ pünktlich zum Weihnachtsgeschäft erschienen und in der Tat: Die Verwandtschaft mit den bisherigen Teilen der Serie ist unübersehbar. Ebenso überübersehbar wie einige kosmetische Korrekturen am erfolgreichen Grundkonzept.
Story: Solider Fugenkitt
Kern von „Age of Empires 3“ ist die Hauptkampagne mit 24 Missionen, die sich auf drei Akte verteilen. Den Hintergrund der Geschichte bildet die Eroberung des amerikanischen Kontinents. Clever gemacht: Rund um historisch inspirierte Einsätze schlängelt sich die Geschichte der Familie Black: von Morgan, der auf der Suche nach dem Jungbrunnen in die neue Welt aufbricht, über John, der den befreundeten Irokesen im Kampf gegen die Engländer beisteht, bis hin zu Amelia, die als Chefin einer Eisenbahngesellschaft den Wilden Westen erobert. Missionen und Story führen euch übrigens nicht nur durch die US-amerikanische Geschichte, sondern quer über den Kontinent: Beginnend in der Karibik geht’s über Florida Richtung Norden, dann auf nach Westen und zum großen Finale schließlich nach Süd-Amerika. Das sorgt auch grafisch für viel Abwechslung: Karibische Strände, Sumpflandschaften, Steppe, Schnee, Urwald – alles inklusive. Die Geschichte funktioniert – nicht zuletzt aufgrund der tadellosen deutschen Synchronisation – gut als Kitt zwischen den Missionen. Aber: Muss die Story unbedingt immer auf Geheimbund/Templer/fiese Verschwörung rauslaufen?
Egal. Wichtiger ist ohnehin das eigentliche Spiel. Hier haben die Entwickler das aus den Vorgängern bekannte System teilweise ausgedünnt und vereinfacht, an anderer Stelle dafür behutsam neue Elemente eingefügt. Beispielsweise gibt es mit Nahrung, Holz und Gold nur drei für die Wirtschaft entscheidende Ressourcen, „Stein“ wurde gestrichen. Schlankheitskur auch für die Bauoptionen: Wenn ihr eine Windmühle baut, entstehen auch gleich die dazugehörigen Felder. Ebenfalls getilgt: Lagerhäuser, in die die Arbeiter die Ressourcen erst transportieren müssen. Dafür kommt mit den Erfahrungspunkten eine neue „Ressource“ ins Spiel. Erfahrung sammelt ihr – wie von Rollenspielen gewohnt –, wenn ihr Gegner erledigt oder Quests besteht. Auf den allermeisten Maps müsst ihr nicht nur die primären Aufgaben schaffen, um weiter zu kommen, sondern auch sekundäre Ziele erledigen, die euch in erster Linie Erfahrungspunkte bescheren.
Feuchte Träume
Die wunderschöne Postkarten-Grafik von Age of Empires III setzt ohne Frage neue Maßstäbe im Strategiegenre.
Und wozu werden die Erfahrungspunkte nun gebraucht? Ihr investiert sie in eurer Heimatstadt. Die ist die größte Neuerung im Spiel – ein Mausklick bringt euch in die heimische Metropole. Mit gesammelten Erfahrungspunkten könnt ihr dort beispielsweise Rohstoffe, zusätzliche Siedler oder verschiedenste Produktionsverbesserungen bestellen, die dann zügig mit der nächsten Schiffsladung in die neue Welt verschifft werden. Ebenfalls rollenspiel-inspieriert: Zwischen den Einsätzen bestimmt ihr, welche zusätzlichen Goodies bei der nächsten Mission bereit stehen. Vor dem historischen Hintergrund logisch: „Age of Empires 3“ macht auch bei den Waffen genau da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat.
„Schwerter zu Musketen“ lautet also die Devise. Feuerwaffen spielen eine immer wichtigere Rolle. Geschütze oder Mörser sind schwerfällig, hinterlassen dafür aber auch nur verbrannte Erde. Überhaupt herrscht bei der Einheiten-Balance mal wieder das gute alte Schere-Stein-Papier-Prinzip: Kavallerie ist schnell und effektiv, wird aber schon von einer Hand voll Pikenieren aufgerieben. Diese wiederum haben gegen Fernkämpfer kaum eine Chance, da sie sich viel zu langsam bewegen, um dem Kugelhagel lange trotzen zu können. Formationen sind bei „Age of Empires 3“ weitgehend automatisiert. Wenn ihr also einen größeren Trupp aus verschiedenen Einheiten in die Schlacht schickt, positionieren sich die Nahkämpfer automatisch vorne, gefolgt von Fernkämpfern und eventuellen Heilern. Das funktioniert in der Praxis recht gut – Wegfindungsaussetzer sind uns im Test nicht aufgefallen. Das bedeutet allerdings auch, dass ihr nicht wirklich viel Einfluss auf den Verlauf der Kämpfe nehmen könnt. Die richtige Truppenzusammensetzung ist entscheidend, außerdem müsst ihr frühzeitig wissen, welche Kämpfer ihr auf welchen Gegner hetzt. Verfügen eure Kontrahenten beispielsweise über Geschütze, sollte die Kavallerie zunächst das Schlachtfeld umgehen und Geschütze, Mörser oder Bombarden erledigen – sonst habt ihr im Kampf keine Chance. Treffen größere Trupps aufeinander lösen sich die Schlachten allerdings nach wie vor in unübersichtliches Gewusel auf. Ein echtes Plus und sicherlich bald auch im Echtzeitstrategiegenre Standard ist die Physik-Engine. Wenn ihr Gebäude angreift, werden diese fein säuberlich und Stück für Stück in Ihre Einzelteile zerlegt. Schwere Waffen haben mit starken Rückstoß zu kämpfen und erzeugen am Ort des Einschlags eine regelrechte Druckwelle. Soldaten schleudern durch die Gegend und Bäume knicken um, während die Kanonenkugel aufschlägt, ausrollt und schließlich zum Stehen kommt. Ein besonderes Highlight sind die Seegefechte: Wenn mehrere Galeonen Breitseiten feuernd aufeinander losgehen, Mäste brechen und Segel zerfetzt werden, hofft man fast auf ein Serien-Spin-Off nur mit Seeschlachten.
Im Westen nichts neues
Am Konzept des Originals von 1997 hat sich null geändert. Vielleicht ist das auch gut so, doch ein bisschen Innovation hätte nicht geschadet.
Präsentation: Lecker!
Die KI eurer Gegner agiert übrigens ziemlich clever und fordernd: „Age of Empires 3“ ist perfekt ausbalanciert. Im mittleren der drei Schwierigkeitsgrade finden Genrefans genau die richtige Mischung vor: Wenn man mal nicht weiter kommt, so glaubt man doch immer zu wissen, woran es lag und startet gleich den nächsten Versuch. Die Optik von „Age of Empires 3“ hält weitgehend, was die ersten Screenshots versprachen: Ensemble Studios zeigen euch eine wunderschöne Welt mit einem Look irgendwo zwischen Realismus und Eisenbahn-Charme in Bonbonfarben. Langeweile kommt in Sachen Optik zu keinem Zeitpunkt auf, schließlich wird vom karibischen Inselreich über die Sümpfe Floridas und den schneebedeckten Rocky Mountains bis hin zu den Urwäldern Brasiliens der kompletten nord- und südamerikanische Kontinent aufgefahren. Weitere Highlights: die realistischen Beleuchtungseffekte mit dynamischen Schatten und die detaillierten Charaktere und Gebäude.
Nur knapp schwächer: der Sound. Vor allem die Synchronisierung ist gelungen: Die deutsche Sprachausgabe ergänzt die Atmosphäre perfekt. Dazu kommen die tolle Hintergrundmusik und die dynamisch und sehr präsent klingenden Soundeffekte. Im Mehrspielermodus haben bis zu acht Streiter die Wahl zwischen ebenso vielen Nationen: Spanier, Franzosen, Briten und Holländer sowie Russen, Osmanen, Portugiesen und Deutsche sind mit von der Partie. Natürlich bieten die einzelnen Länder allesamt verschiedene, gut ausbalancierte Vor- und Nachteile. Gekämpft wird per LAN oder Internet, allerdings lediglich in den zwei Spielmodi Vorherrschaft und Deathmatch. Ärgerlich beim Deathmatch: Nicht zu ändernde Siegbedingung ist, dass alle, wirklich alle Gegner mausetot sind. Versteckt euer Kontrahent seinen letzten Mann irgendwo in der Map-Pampa, entsteht frustrierender Leerlauf.



