- Age of Conan: Hyborian Adventures
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- Publisher: Eidos
- Entwickler: Funcom
- Genre: Rollenspiel
- Release: 23.05.2008
Babarenparty in Oslo
19.05.2008 | Autor: Hauke
Hyboria ist ein wildes Königreich voller Gefahren. In dieser fiktiven Gegend erarbeitete sich ein österreichischer Bodybuilder Weltruhm. Frei von jeder Selbstironie, dafür randvoll mit martialischen Bildern wurde die Verfilmung von Robert E. Howards „Conan: Der Barbar“ zum Blockbuster. Doch seit 1982 ist viel Wasser die Flüsse herabgelaufen, und der Cimmerier aus den Alpen regiert inzwischen Kalifornien und nicht mehr das Königreich Aquilonien.
Schwarzeneggers Leinwandheldentaten sind jedoch nicht in Vergessenheit geraten, sondern inspirierten die Softwareschmiede Funcom zu ihrem neuen MMOG und selbsterklärtem Herausforderer von „World of Warcrafts“. Dabei geht es in Hyboria deutlich erwachsener zu als in Azeroth. Blut und Sex sind schließlich zwei der Hauptzutaten eines erfüllten Barbarenlebens. Klar, dass wir uns unter dieser Voraussetzung mit hohen Erwartungen auf den Weg zur Releaseparty nach Oslo machten.
Audienz für die Fans
Doch wie so oft stand vor dem Vergnügen erst einmal Arbeit an; ganze vier Stunden präsentierten Funcom und Eidos Spielinhalte, die wir leider größtenteils in ähnlicher Form schon bei früheren Vorführungen gesehen haben. Die zahlreichen Fans des Spiels, die sich zusätzlich zu der anwesenden Presse im Kinosaal tummelten, freuten sich jedoch über die Eindrücke aus erster Hand. Neben der Charaktererstellung mit ihren umfangreichen Individualisierungsfunktionen gab es allgemeine Infos zum Spielprinzip und zum Kampfsystem. Der Spielercharakter kletterte an Gebäuden herum, schwang sein Schwert, kämpfte vom Rücken seines Kriegsmammuts aus gegen eine Überzahl an Gegnern und spannte den Bogen, um seine Feinde aufs Korn zu nehmen.
Es gibt Neuigkeiten
Neben den altbekannten Bildern gab es aber auch zwei Premieren. Wir durften einen ersten Blick auf Aquiloniens Hauptstadt Tarantia werfen, die mit einem Architekturstil auftrumpft, der stark an Imperial City aus „Oblivion“ erinnert. Filigrane Türme und mächtige Mauern dominieren das Stadtbild, und im Palast kommt es zu der ersten Ingame-Begegnung mit König Conan. Der tritt im Spiel derzeit lediglich als Questgeber auf und wandert nicht, wie die Hauptcharaktere in „Der Herr der Ringe Online“, selbst aktiv durch die Spielwelt. Die Entwickler schließen jedoch nicht aus, dass sich die Rolle des barbarischen Herrschers in Zukunft noch ändert. Weiterhin wurde das so genannte Spellweaving erstmals in Aktion gezeigt. Der Magie wirkende Zauberer versetzt sich bei diesem Vorgang in einen tranceähnlichen Zustand, um mehrere Zauber miteinander zu verweben und so besonders mächtige Magie zu entfesseln
Schwieriges Unterfangen
„Age of Conan“ will in die Fußstapfen von „World of Warcraft“ treten - ein fraglos ehrgeiziges Ziel.
Die damit einhergehenden Effekte reichen weit über die üblichen Blitz- und Farbspiele hinaus. Besonders beeindruckend war eine Animation, bei der mehrere zertrümmerte Statuen aus dem Boden auftauchten und sich langsam zu gigantischen, den Zauberer umgebenden Monumenten zusammensetzten. Leider haben sämtliche Neuvorstellungen aus Oslo eines gemeinsam: Screenshots gibt es bisher nicht.
Liveraid mit Problemen
Weniger neu, dafür aber zum ersten Mal live war der Gruppenraid, bei dem eine wild gewordene Entwicklerhorde sich durch einen Dungeon cheatete. Die Schummelei war auch bitter nötig, denn mehrfach stimmte das Timing der Gruppe nicht, was zur Folge hatte, dass sich Räume schlossen und nur etwa die Hälfte der anwesenden Charaktere in den Kampf ziehen konnten, während die Mitstreiter hilflos dem folgenden Gemetzel zusehen mussten. Derartige Situationen dürften später unter realistischen Spielbedingungen ebenso knifflig wie im Falle des Scheiterns äußerst frustrierend sein. Die Gegner während der Raids unterscheiden sich von ihren Kollegen in den Standardmissionen vor allem durch ihre Stärke und Ausdauer.
Die Raidbosse leisteten selbst bei den unverwundbaren Entwicklern mehrere Minuten Widerstand, bevor sie zu Boden gingen. Für Gilden dürfte außerdem das PvP-System interessant sein, das Guildraids zulässt. Selbst errichtete Festungen müssen ausdauernden Belagerungen standhalten und schweres Gerät wird in den Schlachten aufgefahren. Derartige Szenen bekamen wir jedoch leider nur als vorgefertigtes Video zu Gesicht, da man bei Funcom nicht genügend Spieler zusammentrommeln konnte und außerdem die nötige Zeit fehlte.
Booster für Gelegenheitspieler
Gerade während der Belagerungen von Festungen und bei Kämpfen gegen Raidbosse dürfte ein weiteres Feature interessant sein: Veteranen können ihren unerfahrenen Freunden einen Erfahrungsschub verpassen, der die Greenhorns bis auf eine Stufe unter die des helfenden Charakters anhebt. Natürlich ist dieser Effekt nicht ewig andauernd - trennen sich die Wege, gehen auch die Boni verloren. Immerhin dürfte auf diese Weise aber dafür gesorgt sein, dass Freizeitspielern eine Menge Frust erspart bleibt.
Passende Kulisse
Viel Flair versprühte die große Releaseparty in Oslo. Ein extra errichtetes Wikingerdorf diente als Schauplatz.
Weniger durchdacht erscheint die Aufteilung der Server auf die USA und Europa. Hier wird der Spieler anhand der gekauften Version auf ein Territorium festgelegt. Wer eine US-Version hat, muss also auf US-Servern spielen, egal in welchem Land er wohnt. Mit dieser Entscheidung sind sowohl Spieler als auch einige der Entwickler bei FunCom unzufrieden – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Während die Spieler sich frei aussuchen wollen, wo sie spielen, ist die Trennung nach Meinung der Entwickler nicht strikt genug. Sie wünschen sich eine Überprüfung durch die IP des Spielers oder über die Kreditkarte, was eine korrekte Standortbestimmung und Serverzuordnung zulassen und so technische Probleme wie hohe Latenzen wirksamer umgehen würde. Eine freie Serverwahl, wie die Spieler sie sich wünschen, würde hingegen das Ausbalancieren der Serverfarmen im Hintergrund erschweren.
Hätten sie nur auf uns gehört!
Außerdem kommen wir nicht umhin festzustellen, dass unsere frühere Kritik an der Grafik weiterhin Bestand hat. Zahlreiche grobe Clippingfehler und Probleme mit den Texturen an den Übergängen zwischen Land und Wasser trüben den ersten Eindruck ein wenig. Außerdem wirken nach wie vor viele Animationen schlichtweg unbeholfen. Das riesige Kriegsmammut sorgt beispielsweise für Heiterkeit, wenn es munter umhertrabt und dabei mit dem Hinterteil wie Manni aus Blue Sky Studios' Eiszeit-Trickfilm „Ice Age“ herumwackelt. Auch einige der Zauber, Kampf- und Laufanimationen wirken recht grob und manchmal sogar albern. Doch hat man sich an diese kleinen Schnitzer gewöhnt und drückt ein Auge zu, wird eine großartige Atmosphäre aufgebaut. Die hochgradig detaillierten und individualisierbaren Charaktermodelle entschädigen außerdem für vieles. Wie bei MMOGs praktisch üblich, ist schon jetzt für den Releasetag ein Patch angekündigt. Allerdings ließen sich die Entwickler nicht überreden, Details zu Inhalt und Größe des Softwareflickens preiszugeben.
Barbaren rocken Oslo
Obwohl von unseren Previews und manchen Spielberichten aus der Beta bisher nicht immer mit Samthandschuhen angefasst, sprühte die Releaseparty an der Skisprungschanze Holmenkollen vor lauter skandinavischem Selbstbewusstsein. Ein eigens errichtetes Wikingerdorf bot berittenen Statisten, grimmigen Fußsoldaten und holden Maiden eine Bühne. Feuerspucker und Jongleure lockerten die Stimmung bei Spanferkel und allerlei dubiosen Getränken auf, und die rund 500 Gäste ließen es sich sichtlich gut gehen. Das erste Highlight der Abschlussveranstaltung war der Auftritt eines kleinen klassischen Ensembles, das den Conan-Soundtrack uraufführte – Gänsehaut war trotz der angenehmen Temperaturen und der zahlreichen Feuerstellen vorprogrammiert. Nach einem effektvollen Feuerwerk heizten Bauchtänzerinnen bei arabischen Klängen dem Publikum in den Katakomben unter dem Berg ein, bevor es zum Highlight des Abends kam: Die norwegische Punk'n'Roll-Band Turbonegro rockte drauflos, dass der Holmenkollen ins Schwanken geriet. Vielleicht war daran aber auch das letzte Glas Bier schuld.



