- Age of Conan: Hyborian Adventures
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- Publisher: Eidos
- Entwickler: Funcom
- Genre: Rollenspiel
- Release: 23.05.2008
Arnold, wo bist du?
29.05.2008 |
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Autor: Björn
Wir schreiben das Jahr 1982. Millionen Menschen sehnen sich weltweit nach einer Möglichkeit, ihre selten dämlichen Haarschnitte mit ihren Hobbys Bodybuilding und Schwert-Posing unter einen Helm zu bekommen. Da naht im Kinosommer des WM-Jahres plötzlich Rettung in Form eines austroamerikanischen Hünen mit grauenhaftem Akzent. Kurzum: Arnold Schwarzenegger metzelte, prügelte, soff und – pardon, aber so ist es nun einmal – vögelte sich als „Conan der Barbar“ über die Filmleinwände.
Über 25 Jahre später scheint man sich in Norwegen überlegt zu haben, dass die Kombination aus miesen Frisuren, dicken Muskeln, nackten Frauen und viel Gewalt eigentlich nicht viel an Reiz verloren hat. Und so steht nun, nach einigen Verschiebungen, im Mai 2008 mit „Age of Conan“ Funcoms erwachsene Antwort auf „World of Warcraft“ in den Händlerregalen. Da jedoch, wie man spätestens beim Durchforsten der K-Foren sieht, erwachsen nicht gleich reif bedeutet, stellt sich die Frage, ob das Barbaren-MMORPG mit dem mittlerweile auf Hochglanz polierten Blizzard-Titel mithalten kann.
Wie viele Arme braucht der Mensch?
Dass die beiden Genrevertreter hinsichtlich der Präsentation nicht allzu viel miteinander gemein haben, beweist „Age of Conan“ gleich mit dem einführenden Renderfilmchen. Schon hier tanzen die ersten Extremitäten – unabhängig von ihren einstigen Besitzern, wohlgemerkt. Und auch König Conan selbst hat seinen ersten Auftritt. Wer hier jedoch den Gouvernator selbst erwartet, wird enttäuscht. Denn Funcoms Titel beruht nicht auf der Filmlizenz um den Sklaven, der sich zum König krönte, sondern auf der eigentlichen Buchvorlage von Robert E. Howard. Das schadet der Atmosphäre des Spiels jedoch nie. Im Gegenteil, schließlich verkommen so die Figuren, Völker und Ländereien, die im Film fehlen, nicht zu Nebensächlichkeiten im Schatten des namensgebenden Helden.
Was dem Einführungsfilm folgt, dürfte jedem MMORPG-Kenner klar sein: die Charaktererstellung. Diese gestaltet sich in „Age of Conan“ kaum anders als in vergleichbaren Titeln, wenngleich die Fülle der verstellbaren Optionen hier durchaus begeistert. Zwar betreffen diese zumeist nur die Äußerlichkeiten von Heldin oder Held, dennoch: Einheitsbrei gibt es in der brutalen Fantasywelt nicht.
Trügerische Idylle
Die tollen Landschaften erzeugen eine dichte Atmosphäre und laden zum Verweilen ein. Friedlich ist die Spielwelt aber keinesfalls.
Bei den Rassen muss man hingegen weniger überlegen, denn hier stehen lediglich drei Gruppierungen zur Auswahl: die auf Organisation und Disziplin bedachten Aquilonier, die rauen Cimmerier und die dem Okkulten und Diabolischen verfallenen Stygier.
Je nach Rasse stehen dem Spieler schließlich bestimmte Klassen zur Verfügung. Diese sind wiederum in vier Kategorien unterteilt: Soldaten, Priester, Schurken und Magier. Die Soldaten zeichnen sich vor allem durch ihre starke Rüstung aus und gliedern sich in die Klassen Wächter, Eroberer und Dunkler Templer, die allesamt den Völkern der Aquilonier und der Cimmerier zur Verfügung stehen.
Die Stygier hingegen müssen hier passen. Bei den Priestern ist jeder Rasse genau eine Heilerklasse zugeordnet. So sorgen die Bärenschamanen bei den Cimmeriern für Gesundheit, die Mitrapriester pflegen die aquilonischen Truppen, und ruft man nach einem stygischen Doktor, erscheint hoffentlich ein Vollstrecker Sets. Wer es lieber schurkisch mag, der darf sich als Barbar, Assassine oder Waldläufer versuchen. Und wer letztlich seinen Gegnern Feuerbälle, Blitze oder dergleichen entgegen schleudern möchte, dem stehen die Dämonologen, die Nekromanten und die Herolde des Xotli zur Auswahl – allesamt jedoch nur den Helden der stygischen Rasse.
El Aida
Ist die Auswahl getroffen, findet man sich sogleich an Bord eines Sklavenschiffs wieder. Warum man dort ist, was man für eine Vorgeschichte hat und wo Wellnessbereich und Pool sind, erfährt man leider nicht mehr, denn mit einer wilden Explosion bricht die Galeere auseinander, und man selbst sinkt gen Meeresboden.
Einstieg schwer gemacht
Ein intensives Tutorial wird vermisst. „Age of Conan“ folgt dem Motto „Probieren geht über Studieren“. Leichter gesagt als getan...
Weil „Age of Conan“ jedoch mit „Ecco the Dolphin“, „flOw“ und den Abenteuern von Hans Hass nur wenig zu tun hat, wird man wie von magischer Hand wieder empor gehoben und kurz darauf an einen weißen Sandstrand gespült. Da sich dummerweise kein Cabana Boy bemüht, einem zu helfen, und der Geruch der linker Hand verwesenden Leiche auf die Urlaubsstimmung schlägt, müht man sich auf, um die Umgebung zu erkunden.
Neben der Wildheit der Umgebung fällt sogleich eine andere Besonderheit auf: Niemand fordert einen im Sekundentakt zu neuen Player-versus-Player-Duellen auf, die Figuren in der unmittelbaren Umgebung bewegen sich laufend und nicht hüpfend, und keiner testet unentwegt sämtliche verfügbaren Charakter-Emotionen durch. Die einfache Erklärung für all das: Man befindet sich im Einzelspielermodus. Denn wo man in anderen MMORPGs gleich nach der Charaktererstellung mit anderen Spielern zusammen in die Startgebiete geworfen wird, hat man in „Age of Conan“ die Möglichkeit, sich nach und nach alleine in die Spielmechanik einzufinden.
Einzufinden ist an dieser Stelle übrigens der richtige Ausdruck, denn an die Hand nimmt einen das Spiel nicht. Lediglich kurze Infobildschirme im Texttutorial führen Neulinge in das Spielprinzip ein. Da sich viele Optionen und Fähigkeiten jedoch erst tief hinter den zahlreichen Menüschaltflächen verbergen, stoßen ungeduldige Naturen erst sehr viel später auf manch eine nützliche Eigenschaft des eigenen Charakters. Hier hätte man die Fähigkeiten und Möglichkeiten von Spielfigur und Spielmechanik besser in die ersten Aufgaben und Abenteuer verpacken sollen. Gerade da man in der ersten halben Stunde allein unterwegs ist, wäre dies über Zwischensequenzen einfach möglich gewesen.
Wir können doch über alles reden!
Apropos Zwischensequenzen und Dialoge: Diese gestalten sich deutlich umfangreicher und vielfältiger als etwa in „World of Warcraft“, wo Gespräche zumeist lediglich der Annahme einer Aufgabe dienen. Hier hat man darüber hinaus die Möglichkeit, das Gegenüber um Informationen zu bitten und den Gesprächsverlauf je nach Verhalten ein wenig zu ändern. Das Endergebnis ist dabei freilich in der Regel dasselbe.



