- Advent Rising
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- Publisher: THQ
- Entwickler: GlyphX Games
- Genre: Action-Adventure
- Release: 07.02.2006
Buntes Ballermärchen
15.02.2006 |
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Autor: Gleb
Kurzer Rückblick: Mitte des letzten Jahres soll „Advent Rising“ für die betagte Xbox-Spielekonsole erscheinen und avanciert binnen kurzer Zeit zur Action-Adventure-Hoffnung des Jahres. Als das Spiel dann veröffentlicht wird, gibt’s an allen Ecken und Enden lange Gesichter, in der Spielerschaft und bei Hersteller und Publisher. Reviews fallen lediglich mittelprächtig bis vernichtend schlecht aus. Die Steuerung sei völlig fehl am Platz und auch die Story würde vor Stereotypen nur so strotzen. Dabei kommt die aus der Feder eines vor allem in den USA bekannten Science-Fiction-Autors, nämlich Oscar Scott Card. Ende des Lieds: „Advent Rising“ floppt in der Konsolen-Version grandios und etwaige Nachfolger – die „Advent“-Serie soll als Trilogie erscheinen – werden zunehmend unwahrscheinlich. Sogar eine Veröffentlichung auf europäischem Boden steht auf Messers Schneide, bis sich schließlich THQ die Publishing-Rechte sichert und das Spiel hier auf den Markt bringt. Entwickler GlyphX hat bis dahin noch stark an vielen Kritikpunkten geschraubt und will in der PC-Fassung einige Kritikpunkte ausgebessert haben. Dem gehen wir auf den Grund. Auf in den Weltraum!
Kein Volltreffer
Advent, Advent – ein Lichtlein brennt. Allerdings nicht schön genug für Unreal-Engine-Verhältnisse.
Der erste Kontakt
Es ist nicht einfach, der Bruder eines großen Kommandanten zu sein. Einmal steht man im Schatten, einmal im Rampenlicht. Zum Glück ist das Verhältnis von Gideon Wyeth zu seinem Bruder Ethan hervorragend. Freundin Olivia rundet schließlich das Glück des Protagonisten vollends ab. Als dann eines Tages noch der Kontakt zu einer fremden, außerirdischen Spezies gelingt, scheint alles wie Friede, Freude, Eierkuchen. Ab hier übernehmt ihr die Steuerung von Gideon und seid Teil des ersten Kontaktes mit den freundlichen Aurelianern. Freundlich hin oder her, die Nachrichten, für die sie Lichtjahre gereist sind, muten gar nicht gut an. Und so kommt es, wie es kommen muss: Wie aus dem Nichts erscheint eine feindliche Untergruppierung der Aurelianer, die Seeker, die alles daran setzen wollen, die Menschheit zu vernichten. Und jetzt ratet mal, was eure Aufgabe ist? Klar, uneigennützig die Menschheit retten und zum unsterblichen Helden aufsteigen.
Steuerungsmisere
Aber zuvor muss die Raumstation verlassen werden, auf der ihr residiert. Begleitet von wunderschönen, absolut hollywoodreifen Zwischensequenzen ballert ihr euch mit Gideon in bewährter 3rd-Person-Ansicht durch wahre Horden von Seekern. Dazu greift ihr auf ein umfangreiches Waffenarsenal zurück: Von Plasmawerfern über Raketenschleudern bis hin zu Präzisionsgewehren ist alles dabei. Und da Gideon über zwei gesunde Arme verfügt, kann er auch links und rechts eine Wumme halten. Warum wir das erwähnen? Weil man die Waffen unabhängig voneinander abfeuern kann – idealerweise mit linker und rechter Maustaste. Besonders im späteren Verlauf kann man durch diese Möglichkeit selbst große Gruppen von Gegnern koordiniert ausschalten. Sehr amüsant wird dann der kombinierte Einsatz von Superkräften und Wummen: Mit links den Gegner hochheben, mit rechts ein paar Salven reinpfeifen und schon macht Kollege Seeker einen Abflug. Ansonsten knabbert die Steuerung sehr am Konsolenerbe – und zu allem Überfluss unterstützt die PC-Version kein Gamepad.
Während sich Gideon noch gut steuern lässt, wird der Waffenwechsel oft zur unübersichtlichen Qual. Zwei Tasten zum Aufheben von Waffen in die linke und rechte Hand müssen praktisch blind getroffen werden, weil man kaum die Zeit bekommt, nach unten zu schauen. Fast wie beim Gangwechsel im Auto. Ein etwaiges vorhandenes Mausrad kann man zum Durchwählen der Gegner nutzen. Das ist besonders wichtig, da sich Gideon erst nach dem Anwählen eines Aliens entsprechend ausrichtet. Zielt man planlos, wird das Treffen und Töten zum Glücksspiel.
Halo lite
Lustig, aber auch kurios wird’s, wenn Fahrzeuge ins Spiel kommen. Viele Levels sind so großflächig, dass es einen Heidenspaß macht, durch die Gegend zu brettern und dabei möglichst viele Seeker platt zu machen. Die Steuerung der Vehikel fällt dagegen ungewohnt aus: Durch die Bewegung der Maus wird analog die Richtung verändert. Etwas weniger Spaß macht der direkte Kampf gegen die Ungeheuer. Nur selten blitzt etwas Ähnliches wie K.I. durch das Masse-statt-Klasse-Prinzip von „Advent Rising“. Meistens reicht stupides Dauerballern, um die Heerscharen niederzubügeln. Der eingebaute Nahkampf ist eher ein Witz als eine ernsthafte Alternative. Hin und wieder kommen speziellere Gegner hinzu, die zum Beispiel Schilde nutzen. Die Taktik liegt aber auch hier auf der Hand: Man wartet entweder, bis der Kontrahent selbst feuern will oder versucht, über den Rücken anzugreifen. Trotzdem bleibt das Schnetzeln stets motivierend. Nicht selten, weil man sich auf die nächste kinoreife Zwischensequenz freut, die die Handlung vorantreibt. Ansonsten ist die Handlung tatsächlich arg klischeehaft. Beispiel: Kurz vor der Flucht von der explodierenden Raumstation in der ersten Sequenz muss sich Gideon zwischen Superweib Olivia und Traumbruder Ethan entscheiden. Die Zeit reicht nicht beide verletzten Freunde humpelnderweise in die Rettungskapsel zu bringen. Für was entscheidet ihr euch? Spielt eigentlich keine Rolle für die weitere Handlung – aber Hauptsache es ist dramatisch.
Musikalischer Hochgenuss
Grafisch basiert „Advent Rising” auf der Unreal Engine 2. Leider sieht man das dem Spiel nicht unbedingt an – wohl ein weiteres Konsolenerbe. Insgesamt wirken die Levels sehr bunt und schön gemacht; Außen- und Innenlevels wechseln sich in angenehmer Regelmäßigkeit ab und die Engine weiß beide Arten schön darzustellen. Trotzdem hätte man aus dem Gerüst mehr machen können, denn Gebäude und Architektur wirken klotzig und die Charaktere aalglatt und zu rund. Dafür sind die gerenderten Zwischensequenzen eine Klasse für sich.
Gut erzählt
Die Charaktere haben nicht zuletzt dank der hervorragenden Cutscenes Tiefe und Charisma.
Zwar wird nicht das grafische Niveau etwa von Blizzard-Videos erreicht, dafür werden Effekte, Farben und elegante Kameraschwenks geradezu im Überfluss genutzt und sorgen für mächtig Stimmung. Begleitend dazu muss die hervorragende musikalische Untermalung genannt werden. Musikstücke, die zur Situation wie die Faust aufs Auge passen und ein klasse Song im Hauptmenü verwöhnen die Ohren. Die Soundeffekte erreichen diese Klasse nicht ganz, das Spiel wird aber auch hier ordentlich ins Szene gesetzt. Sprachausgabe gibt es nur auf Englisch, dafür aber in sehr guter Qualität. Die Sprecher betonen Sätze und Stimmungen korrekt und glaubwürdig. Sogar die Knutschgeräusche bei Gideon und Olivias Wiedersehen können sich hören lassen.



