- Act of War: Direct Action
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- Publisher: Atari
- Entwickler: Eugen Systems
- Genre: Echtzeitstrategie
- Release: 25.03.2005
Caught in the Act of War
21.03.2005 |
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Autor: Heiko
Starten wir doch heute – statt mit dem nur unter Chefredakteuren beliebten szenischen Einstieg – einfach mal mit einem missglückten Zitat-Transfer: „Am Öle hängt, zum Öle drängt doch alles.“ Nett. Damit haben wir eine Spur Kapitalismuskritik angedeutet, den Anschein humanistischer Bildung vorgetäuscht und mit unvergleichlicher Eleganz Fragezeichen auf die Gesichter der Leserschaft gezaubert. Fragezeichen, welche wir natürlich – soviel Zeit muss sein – erst im nächsten Abschnitt zu entfernen gedenken. Und um die Verwirrung komplett auf die Spitze zu treiben, beginnen wir diesen Text an dieser Stelle gleich noch ein zweites Mal und ohne den geringsten Zusammenhang zum bisher Gelesenen.
All around the World
Dass wir uns in den meisten Echtzeitstrategiespielen vor allem auf flachem Land kloppen, hat nicht zuletzt technische Gründe: Steppe ist einfacher zu machen als Straßenschluchten. Doch sagen uns die Herren Experten nicht immer wieder, dass die Kriege der Zukunft – wie überhaupt alles „…der Zukunft“ – sich vor allem in Städten abspielen werden. Und dürfte es nicht viel mehr Spaß machen, den Gegner in einer Metropole wie San Fransisco oder London zu bekämpfen und dort nur Schutt und Asche und Triumphgeschrei zu hinterlassen? So sehen das zumindest die Entwickler von Eugen Systems, die im Auftrag von ATARI das Echtzeitstrategiespiel „Act of War“ entwickelt haben. Die Franzosen nehmen den Angriff auf „Command & Conquer: Generäle“ nicht auf die leichte Schulter. Öl, Öl, Öl, war da was? Ja, genau, die Hintergrundstory von „Act of War“. Die stammt aus der Feder von Dale Brown. Der ehemalige Airforce-Pilot ist einer der aussichtsreichsten Anwärter für den Tom-Clancy-Gedächtnispreis und verfasst recht erfolgreiche Thriller, die allesamt davon handeln, dass die Welt böse ist, die USA das Kind aber dank überlegener Technik/Moral schon schaukeln wird. So auch hier: Ein Kartell fieser Ölbosse (Okay, das ist wirklich neu) heuert einen Haufen Terroristen an. Das Ziel: Die Ölversorgung ins Stocken und damit die Ölpreise zum Steigen bringen, auf dass der Reichtum der Fieslinge ins Unermessliche steige. Mit Kinkerlitzchen geben sich die Terroristentruppen denn auch nicht ab, sondern greifen die USA gleich im großen Stil an. Eines der ersten Gefechte findet mitten in San Fransisco statt.
Hurra, die Schule brennt
Da sieht man vor lauter Feuer den Zunder nicht: Act of War protzt nur so mit schönen Bombastexplosionen.
Natürlich hat man als Supermacht für solche Fälle vorgesorgt und schickt eine Spezialistentruppe ins Gefecht. Über 30 Missionen warten, es wird in London und in Ägypten gekämpft, in Russland ein Staatstreich niedergeschlagen und zum Abschluss auf heimischem amerikanischem Boden dem Aufstand der Unanständigen ein fulminantes Ende gesetzt. Das Szenario von „Act of War“ spielt in der nahen Zukunft. Wir haben es also mit bereits bekanntem Kriegsgerät, angereichert mit High-Tech-Spielereien wie Tarn-Vorrichtungen, zu tun. Zunächst kontrollieren wir nur eine Ladung Kommandos, bekommen dann aber nach und nach Kontrolle über Gebäude und Kriegsgerät der US Army. Panzer wie der M1A2 Abrams stehen uns ebenso zur Verfügung wie unbemannte Angriffsdrohnen, Apache-Helikopter, Transporthubschrauber, Scharfschützen und vieles, vieles mehr. Lediglich auf Schiffe müssen wir verzichten. Zum Ausgleich dürfen wir Bombenangriffe befehlen. Besonders in Städten ergeben sich so zahlreiche taktische Möglichkeiten.
Wir können mit einer Ladung Infanteristen von Gebäude zu Gebäude vorrücken und aus sicherer Deckung aufräumen. Oder wir setzen auf schweres Gerät und die Einsicht, dass sich in einem Haus, das gerade explodiert ist, kein Feind mehr versteckt. Wir können auch entscheiden, ob wir verwundete Soldaten und fast schrottreife Panzer evakuieren und reparieren wollen oder einfach immer neuen Nachschub produzieren. Für die erste Variante spricht die Tatsache, dass unsere Einheiten Erfahrung sammeln und so immer wertvoller werden. Ein Klick auf das „Evakuieren“-Symbol und der Rettungshubschrauber kommt vorbei und fliegt den tapferen Kämpfer aus. Zumindest, wenn wir ein Feldkrankenhaus aus dem Boden gestampft haben. Denn auch beim Bau der Basis gibt es jede Menge Spielraum. Den Nachschub an Geld sichern – wie gewohnt – Ölquellen. Ungewöhnlicher sind die beiden anderen Wege Geld zu beschaffen: In Städte-Missionen müsst ihr einfach eine Bank kontrollieren und der Rubel rollt. Kohle gibt’s auch, wenn ihr gegnerische Soldaten nicht tötet, sondern gefangen nehmt. Ein netter Einfall.
Keep it real
Laien-Videosequenzen im Command & Conquer-Still erzählen die Geschichte – das hatten wir schon lange nicht und irgendwie wissen sie zu gefallen.
Summer in the City
Ein Wort zu den Videosequenzen: Die sind technisch gut und vergleichsweise aufwendig. Die Schauspieler allerdings agieren nur unwesentlichen über dem Niveau Ihrer Kollegen in nachmittäglichen Gerichtssendungen. Unfreiwillige Komik bleibt auch nicht wirklich aus. Beispiel? Folgende Situation: Die Terroristen haben Washington erobert und stehen kurz davor, das Weiße Haus, also den letzten Hort von Anstand und Menschlichkeit auf Erden, einzunehmen. Da bittet der Chef der Special-Forces den Präsidenten der Vereinigten Staaten um den Einsatz einer streng geheimen Raketentechnik. Der Präsident protestiert: „Die haben wir nur für den Notfall“. Darauf unser Meister der Lage-Analyse mit Nachdruck: Das IST ein Notfall“. Danke, Klappe, aus. Schön auch nach all’ den Osama-Bin-Laden-Look-Alikes mal wieder einen Bösewicht mit einem zünftigen russischen Akzent präsentiert zu bekommen – Peter Stormare läßt grüßen. Für die Fortsetzung erwarten wir aber dann auch Nazi-Zombies vom Mars, mindestens. Alles in Allem sind die Clips aber erträglich gemacht und gut ins Spiel eingebunden. Die 3D-Grafik kommt eine Spur bombastischer daher: Vor allem die Explosionen sind gerne mal bildschirmfüllend. Manche Einheiten und Gebäude übrigens auch, denn Eugen Systems haben sich für eine Kameraperspektive relativ nah am Geschehen entschieden – mehr Action statt mehr Übersicht ist die Folge. Die Steuerung funktioniert trotzdem hervorragend, drehen müsst ihr die Kamera so gut wie nie. Vor allem wenn es in Metropolen wie San Fransisco oder Washington zur Sache geht, erzeugt die hohe Detaildichte ein ganz eigenes Flair. Dazu gesellen sich dynamisches Licht, die schon erwähnten Pracht-Explosionen, eindrucksvolles Feuer und gelungene Animationen. Allerdings kostet die Schönheit massiv Leistung. Besonders, wenn gegen Ende des Spiels die Maps immer größer und komplexer werden, kommt es selbst auf hochgezüchteten 3D-Rennern zu gelegentlichen Hängern. Weniger ressourcenfressend, aber fast genauso eindrucksvoll gestaltet sich der Sound. Effekte und Musik sind toll, die Synchronisation knapp schwächer. Immerhin werden die deutschen Texte von Profis wie der „King of Queens“-Stimme Doug Heffernan gesprochen. Mehrspielerfans müssen sich vorläufig mit etwa einem Dutzend Maps für bis zu acht Kontrahenten zufrieden geben. Dort könnt ihr – anders als in der Kampagne – auch auf die Einheiten der Gegenseite zurückgreifen. Ein Map-Editor soll demnächst mit einem Update nachgeliefert werden; dann dürfte auch der Nachschub an weiteren Karten ins Rollen kommen.



