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Alles neu macht die Zeitreise

07.10.2010 | PC | Autor: André

Verdammt! Mal wieder hat uns die Wissenschaft im Stich gelassen. Wie sicherlich auch viele von euch, hatten wir fest darauf vertraut, dass die Klima-Erwärmung erst in circa hundert Jahren so richtig durchschlägt. Solange man nicht auf den Malediven wohnt, kann man als gläubiger Atheist also so klimatechnisch richtig rumsauen, da einen die eigenen Schandtaten zu Lebzeiten sowieso nicht mehr einholen werden. In your face, Erde! Doch nun kommen uns Zweifel. Nicht, weil wir plötzlich ein Gewissen entwickelt hätten. Aber der Öko-Thriller „A New Beginning“ taxiert die Abfahrt des Zuges in die Klima-Hölle bereits in die nähere Umgebung des Jahres 2050. Da wollten wir ja eigentlich noch aktuelle Video-Podcasts aus dem Seniorenstift veröffentlichen und darüber schimpfen, dass Spiele früher viel besser waren. Mist! Aber es gibt auch gute Nachrichten: Das Spiel ist trotz seiner Baumknutscher-Botschaft erstaunlich gut geworden.

„A New Beginning“ bietet eine frische Optik mit tollen Hintergründen und - zumindest für ein Adventure - recht vielfältige Animationen.

Rolands Albträume
Anfangen tut alles wie in einem der Albträume, die Roland Emmerich seit Jahren zu neuen Filmen inspirieren. Fünfhundert Jahre in der Zukunft ist die Menschheit so gut wie ausgelöscht. Die schützende Atmosphäre der Erde hat sich fast vollständig aufgelöst, die Oberfläche ist ein unbewohnbarer Glutofen. Nur ein kleines Grüppchen wackerer Überlebender vegetiert in unterirdischen Bunkern vor sich hin und dem sicheren Ende entgegen. Wie so oft jedoch hat die Menschheit Glück. Unter den letzten Resten unserer Spezies befindet sich eine Handvoll genialer Wissenschaftler, denen es mit erstaunlichem Timing gelingt, die Rätsel der Zeitreise zu entwirren. Im Rahmen des „Projekt Phönix“ entwickeln sie ein kleines Geschwader an Zeitreise-Kapseln, in denen gut ein halbes Dutzend Teams in die Vergangenheit aufbrechen soll. Dort sollen die Reisenden der Apokalypse die Ursache der Klimakatastrophe ergründen und die Menschheit zur Umkehr bewegen – egal mit welchen Mitteln.

Noch immer unausgereift: Zeitreisen
Doch das Zeitreisen hat so seine Tücken. Wenn man nicht gerade vermeiden muss, die eigene Zeugung zu verhindern, oder der Zeitsprung nur durch einen gut getimten Blitzschlag gelingt, geht was anderes schief. In diesem Falle irren sich die Wissenschaftler zunächst in der Berechnung einer sicheren Zeitepoche.

Die Inszenierung überzeugt unter anderem durch ungewöhnliche Perspektiven und einen dramaturgisch interessanten Aufbau.

Weil im Jahre zweitausendfünfhundertirgendwas die meisten Aufzeichnungen zerstört sind, weiß keiner mehr so genau, wann das Klima eigentlich anfing den Bach runterzugehen. Oder warum. Anders als vermutet, erweist sich sogar das großzügig angepeilte Jahr 2050 bereits als hoffnungslos verwüstet. In Eiswüsten und überschwemmten Städten gestrandet, wird ein Großteil der überlebenswichtigen Phönix-Expedition durch diesen fatalen Irrtum vernichtet. Nur zwei der Zeitreisenden schaffen es schließlich, einen weiteren Sprung zurück in die Vergangenheit und damit in unsere Gegenwart anzutreten. Eine davon ist Fay, eine junge Funkerin mit erstaunlich langgestrecktem Oberkörper und – für jemand in diesem Berufsstand – erschreckend wenig technischem Sachverstand. Sie ist eine von zwei spielbaren Figuren in „A New Beginning“. Neben ihr ebenfalls in unserer Gegenwart angekommen ist ihr Kollege Salvador. Während Fay versuchen will, ihren Plan mit möglichst friedlichen Mitteln umzusetzen, ist Salvador entschlossen, jedes Mittel einzusetzen, das ihm Erfolg verspricht.

Alter Typ mit Schnauzer rettet Welt
Als Schlüsselfigur zur Rettung der Menschheit stellt sich jedoch schnell ein überaus unwilliger Kandidat heraus: der Bioforscher Bent Svensson. Er ist die zweite Spielfigur in „A New Beginning“ und gilt in Fays Zukunft als wissenschaftliches Genie, das unter anderem die Grundlagen zum Antrieb ihrer Zeitkapsel erfand. Recherchen während der Bruchlandung im Jahre 2050 ergaben, dass Svensson kurz vor dem Durchbruch bei der Entwicklung eines revolutionären, aus eifrig nachwachsenden Blaualgen gewonnen Kraftstoffs stand. Doch der Tod seiner Frau und ein ausgewachsener Burnout haben den ehemals besessenen Weltverbesserer völlig aus der Bahn geworfen. Als Faye ihn trifft, lebt Svensson als mürrischer Einsiedler in einem norwegischen Fjord und schert sich einen Dreck um die Welt, sich selbst und seinen vollkommen entfremdeten Sohn.

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